Nico Meißner berichtet von seinem Fliegerurlaub in den französischen Alpen.

Zum Greifen nah – der Mont Blanc mit seinen 4810m Höhe

2015 hat mich der „Seealpen-Virus“ während eines Alpenflug-Lehrgangs in Saint-Auban gepackt und seit dem versuche ich regelmäßig in die Provence zu fahren, um meine fliegerischen Fähigkeiten um das Gebirgsfliegen zu erweitern. Bislang hat das mit der Regelmäßigkeit bestens funktioniert und ich konnte jährlich 2 bis 4 Wochen sowohl im Frühjahr als auch im Sommer dort verbringen. 

Dieses Jahr war ursprünglich mit 6 Fliegerkammeraden ein Frühjahrsausflug geplant, doch der viel leider pandemiebedingt aus. Als die französischen Flugplätze nun im Sommer wieder öffneten, entschloss ich mich kurzerhand doch noch nach Saint-Auban aufzubrechen. Dort findet immer in der zweiten Augusthälfte ein Lehrgang vom DAeC statt, sodass mir klar war – ich werde nicht ganz alleine sein. 

Der problemlosen Anreise folgte mäßiges Wetter, ideal zum Reinkommen in das doch immer wieder spannende und ungewohnte Fluggebiet.

Tiefliegende Wolken und viel Feuchte in den ersten Urlaubstagen

Im Laufe der Woche verbesserte sich das Wetter schnell, sodass die Flüge auch entsprechend länger und größer ausfallen konnten. So arbeitete ich mich Tag für Tag in neue Regionen der Hochalpen vor.

Am Tag mit der besten Thermik reichte die Zeit, um ein großes selbst gestecktes Ziel zu erreichen:

Gebirgsflugplatz Courchevelle, bekannt aus der Amarok Werbung des Volkswagen Konzerns

Courchevelle! Ich wollte den bekannten Gebirgsflugplatz einmal von oben sehen. Schwierigkeit für mich war dabei in den Jahren zuvor die Überquerung des mächtigen Modane Tals. Hinüber fliegen auf die andere Talseite gen Norden ist überhaupt kein Problem, aber es benötigt eine gewisse Basishöhe, um wieder komfortabel zurück fliegen zu können. Denn der Rückweg führt über im Schatten liegende Hänge und Gipfel, dort kann man nur mit wenig Thermik aber leider mit starken Abwindfeldern rechnen und dann kommt man nicht mehr über den Pass, um den Weg nach Süden weiterfliegen zu können. Die Alternative – und die muss man zu jeder Zeit parat haben –  ist ein reumütiger, langer Weg westwärts entlang des Modane Tals Richtung Grenoble, um von dort aus im niedrigen Gelände zum Startplatz zurück zu kehren, was meistens zeitlich sehr knapp wird. Diesmal spielte mir das Wetter in die Karten und der Talquerung verlief reibungslos.

Nicht nur Courchevelle wurde erkundet, sondern auch das schon als Kind mit der Familie befahrende Skigebiet La Plagne. Von dort aus ist es nicht weit zum Mont Blanc und weiter zum Matterhorn, womit die Ziele für 2021 klar gesteckt sind. Wohlmöglich hätte der Weg zum Mont Blanc auch dieses Mal schon funktioniert, aber in den Bergen ist man doch sehr viel konservativer unterwegs als zu Hause und somit belasse ich das Ziel für nächstes Jahr.

Muss mindestens einmal pro Urlaub gesehen werden: Der „Herzchensee“
„Lac des neuf couleur“

Zum krönenden Abschluss hat der Wettergott mir Nord-Westwind geliefert. Bei nördlichen Windrichtungen ist die durch die Sommersonne entstehende Thermik weniger interessant für mich. Viel spannender sind die Leewellen, die sich hinter bestimmten Bergen ausprägen können. Es erfordert viel Erfahrung in diesem nur durch Wind funktionierenden Aufwindsystem große Strecken fliegen zu können, aber auch hier wird mein Aktionsradius von Jahr zu Jahr größer. Das Schöne an Wellenwetterlagen ist, dass man sich in erheblich größeren Höhen bewegt und einen wahnsinnig beeindruckenden Überblick des Reliefs bekommt. Bei guter Sicht – und die hatten wir – sieht man im Norden den Mont Blanc, im Osten die Po Ebene und im Süden das Mittelmeer.

Entlang der Lenticularis – Blickrichtung Mont Blanc

Gezeichnet durch Lenticularis Wolken konnte ich den thermisch bestrittenen Weg der Vortage nach Norden erneut in Angriff nehmen und mich fast ganztägig zwischen 4000 und 5500 Metern Höhe aufhalten, wohingegen die Thermik am Vortag nur auf 3500 Meter über Meeresspiegel hinaufreichte.

Neben der Fliegerei ist Frankreich jedes Mal aufs Neue Urlaub pur. Trockene Luft, zelten unter Olivenbäumen, kein Frieren, wildwachsende Tymianpflanzen, frisches Baguette, knüppelharte Salami, Rosewein aus 5 Literkanistern, Sonnenuntergänge vom Feinsten und aus mir unerklärlichen Gründen unübertroffen leckere Salatdressings fördern meine Sucht, jährlich wieder die Reise auf mich zu nehmen.

Geprägt durch den kurz umrissenen provenzalischen Flair, dem man selbst wenn man es wollte nicht entkommen kann, ging es dann leider zwei Tage vor Plan recht plötzlich heimwärts, denn Teile Südfrankreichs wurden als Corona-Risikogebiet erklärt und ich wollte mich nicht unnötig lange dort aufhalten, um späteren Komplikationen aus dem Wege gehen zu können.

So beendete ich meinen knapp zweiwöchigen Fliegerurlaub nach über 51 Flugstunden und grandiosen Erlebnissen in der Luft und am Boden.

… bis zum nächsten Mal

Nico Meißner

Mit Ventus cM D-KNGS